Was kostet ein Anwalt?

Generell gilt: Wer den Prozess verliert, trägt die Kosten.

 

Welche Kosten kommen überhaupt auf den Kläger zu?

Bevor ein Rechtsstreit ausgetragen wird, möchten sich viele Versicherte/Leistungsempfänger erst einmal darüber im Klaren sein, was für Kosten auf sie zukommen könnten. Die Kosten bei einem Verfahren (Prozesskosten) lassen sich unterteilen in Gerichtskosten und Anwaltskosten.

 

Am Sozialgericht besteht Kostenfreiheit

Gute Nachricht für alle, die vor dem Sozialgericht klagen: Versicherte bzw. Leistungsempfänger müssen keine Gerichtskosten übernehmen. Hier fallen lediglich die Anwaltskosten an.

Und hier gilt: Vor den deutschen Sozialgerichten besteht keine Pflicht, sich von einem Rechtsanwalt (Prozessbevollmächtigter) vertreten zu lassen (Ausnahme: Ein Revisionsverfahren vor dem Bundessozialgericht erfordert die Vertretung durch einen Prozessbevollmächtigten).

 

Mit Rechtsschutzversicherung auf der sicheren Seite

Wer eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, muss sich um die Anwaltskosten keine Gedanken machen. Der konsultierte Anwalt kann direkt prüfen, ob die Rechtsschutzversicherung in der jeweiligen Angelegenheit zum Tragen kommt. Darüber hinaus kann er sich auch um den Schriftverkehr mit der Versicherungsgesellschaft kümmern. Abgesehen von einer eventuell vereinbarten Selbstbeteiligung kommen keine Kosten auf den Versicherten zu.

Im Sozialrecht ist dem „herkömmlichen“ Einzelverfahren ein sogenanntes Widerspruchsverfahren vorgeschaltet (siehe Widerspruch), bevor Anklage erhoben werden darf. Auch hierfür übernehmen immer mehr Rechtsschutzversicherer die Gebühren.

 

Ohne Rechtsschutzversicherung sollte die Aussicht auf Erfolg nicht fehlen

Wer nicht rechtsschutzversichert ist, kann sich glücklich schätzen, wenn der Fall zu seinen Gunsten entschieden wird. In diesem Fall muss nämlich die Gegenseite sämtliche Kosten für den Anwalt (und etwaige Gerichtskosten) tragen. Unterliegt man allerdings im Rechtsstreit kommen auf den Kläger nicht nur die Kosten für den eigenen Anwalt, sondern auch die Anwaltskosten der Gegenseite (und Gerichtskosten) zu.

Im Gesetz über die Vergütung der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz - RVG) ist geregelt, dass die Gebühr für ein erstes Beratungsgespräch höchstens 190 Euro betragen dürfen. Abweichend von den im RVG gesetzlich geregelten Gebühren können Anwalt und Mandant ein gesondertes Honorar miteinander vereinbaren. Manche Anwälte bieten die Erstberatung gar kostenlos an.

 

Beratungs- und Prozesskostenhilfe für Geringverdiener

Wer nachweist, dass er die Mittel für die Erstberatung und die anschließenden Anwaltskosten nicht aufbringen kann, hat Anspruch auf Beratungs- und Prozesskostenhilfe. Diese wird auf Antrag des Klägers gewährt und setzt Folgendes voraus:

  • Der Antragsteller verfügt nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel.
  • Die Klage bietet „hinreichende Aussicht auf Erfolg“.
  • Die Angelegenheit erscheint nicht „mutwillig“.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kommen je nach finanzieller Situation gegebenenfalls lediglich eine Beteiligung an den Prozesskosten (monatliche Raten) und die Anwaltskosten der Gegenseite auf den Kläger zu (Ausnahme bildet hier ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht in 1. Instanz).

 

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und erhebt nicht den Anspruch einer Rechtsberatung. Für eine Rechtsberatung müssen alle Aspekte des Einzelfalls bekannt sein. Dies kann nur im Rahmen einer Rechtsberatung bei einem Anwalt oder einem vergleichbaren Anbieter erfolgen.